ursula bertram

Freie Projekte: Ursula Bertram – Zeitarbeit III

Vom 5. September bis 17. Oktober lädt der Nassauische Kunstverein zu einer Ausstellung ein mit dem Titel: "…an der Nadel". Kuratorinnen: Ulrike Hampl und Petra Bermes.

Bertram inszeniert mit "Zeitarbeit III" den Ausstellungsraum zum Aktionsraum eines performativen Ereignisses. Sie gewährt dem Publikum nicht nur Einblicke in den Prozess einer Werkentstehung, einer Rauminstallation, sondern bietet zudem die Möglichkeit strukturelle Bedingungen und Prozessabläufe von Arbeit allgemein zu reflektieren. Denn sie überträgt Arbeitsfaktoren wie Zeit, Produkt, Leistung, Frei-Zeit, Selbst-Verwirklichung und Entfremdung auf die künstlerische Werkgenese.*

Ein inzwischen auf 430 Meter angewachsener Strickschlauch zieht sich in endlosen Schlaufen über die weißen Wände. An seinem Ende sitzt eine einzelne Frau im sonst leeren Raum, die durch kontinuierliches Stricken über die gesamte Ausstellungsdauer den Prozess fortsetzt.

Der Besucher wird Zeuge der Arbeit als entfremdetes Ausführen repetitiver Bewegungen, deren Monotonie desto fragwürdiger erscheint, als die Strickerin auf ihre Umgebung nicht reagiert. Sie schaut nicht auf, antwortet auf keine Fragen und reduziert ihr menschliches Sein auf die Arbeit im 60 Minuten-Takt einer Zeituhr, die unaufhörlich tickt.

Performance – in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren haben Künstler erstmals begonnen, vor dem Publikum zu arbeiten und es mit unvorhersehbaren Aktionen zu überraschen. Statt einer Repräsentation der Wirklichkeit durch das Bild geht es in der Performance um die Präsentation, um die unmittelbare Präsenz, um das Erlebnis bzw. Mit – Erleben einer Werkschöpfung, wobei dieses Werk selbst nur eine temporäre Aktion sein kann.

Zeitarbeit IIIHeutige Performance-Kunst bezieht sich nicht mehr nur - wie zumeist bei den Pionieren dieser Kunstrichtung - auf körperliche Aktion, auf die Selbstdarstellung des Künstlers als ein in der Öffentlichkeit Handelnder, auf das Erforschen von Grenzen und Möglichkeiten in Aktionen und Happenings. Performances weisen heute eine breites Spektrum an künstlerischen Strategien auf: von der institutionellen Kritik über die Konzeptkunst und Fragen zur Identität bis hin zu sozio-politischen Problemstellungen.

Bertrams Performance fokussiert in der Thematisierung von Arbeitsabläufen auch die Dimension Zeit und verweist somit zugleich auf eine künstlerische Praxis, die der musealen Zeitlosigkeit Bewegung und Veränderung gegenüberstellt.*

* aus dem Text zu Zeitarbeit II von M.A. Marina Schuster, museum kunst palast, Düsseldorf

 

Künstler/Innen: Wiebke Bartsch / Ursula Bertram / Jochen Flinzer / Viktoria Martini / Christiana Protto / Christoph Rodde / Peter Rösel / Patricia Waller

Kuratorinnen: Petra Bermes/Ulrike Hampl

05.09.2004 - 17.10.2004
Öffnungszeiten: Di: 14-20.00Uhr, Mi-Fr: 14-18.00 Uhr, Sa u. So: 11.00 -18.00 Uhr

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